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Canisius Haus

Wertschätzende Wegbegleiter

Dienstagnachmittag, 17 Uhr in der Wohngruppe Fra Leo. Anne sitzt am großen Küchentisch und macht Hausaufgaben, Tim liegt auf seinem Bett und spielt am Smartphone, Finn packt seine Sporttasche weil er gleich zum Fußballtraining geht, Leonie kommt zur Tür herein und wirft den Schulranzen in die Ecke. Ein Betreuer kocht einen Tee, eine andere hilft bei den Hausaufgaben. Der ganz normale Familientrubel, nur dass es keine Familie ist. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus schwierigen Verhältnissen.

Sie haben Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen hinter sich, sind von nahe stehenden Menschen enttäuscht worden. Bindungen und Beziehungen sind schwierig geworden. Sie haben einen sicheren Ort für sich gefunden, leben vielleicht nur ein, wahrscheinlich aber mehrere Jahre in einer der Wohngruppen des Canisius Hauses. Auf dem Sonnenhügel, einem schönen Wohnviertel in Schwäbisch Gmünd, stehen vier Häuser in einer parkähnlichen Grünanlage. Ein Haus für jede Wohngruppe, die aus zirka sieben jugendlichen Mitbewohnern besteht. An ein Heim erinnert hier nichts. Ein Flur mit vielen Schuhpaaren, ein großer Wohn- und Essraum, ein Tisch an dem alle Platz haben und ein Zimmer für jeden einzelnen. Vor dem Haus ist ein Garten und eine Terrasse.

„Natürlich kann das kein Ersatz für die eigentliche Familie sein“, sagt Martin Weiland, der Leiter des Canisius Hauses. Er und alle Mitarbeiter*innen sehen es so, dass sie die Kinder und Jugendlichen ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen, Psychologen und Sozialtherapeuten fangen auf, was in Schieflage geraten ist. „Gemeinsam versuchen wir mit ihnen Stärken zu entdecken und Lösungswege zu entwickeln“, sagt Weiland.

Die Stärken finden sich zum Beispiel im Sport, in der Musik. Die Kinder machen ihre Erfahrungen in der Reit-, Musik, und Kunsttherapie und probieren sich beim Sommerfest im Theaterspielen oder bei Tanzvorführungen aus.

Das Canisius Haus will keine Glaskuppe über sich stülpen sondern sich mit dem Draußen vermischen. Das schafft man mit Veranstaltungen wie dem Sommerfest, Veranstaltungen in Kooperation mit der Stadt und dem Viertel, sowie durch gegenseitigen Austausch.

Martin Weiland merkt man die Begeisterung für die Sache und für seine Mitarbeiter*innen an. „Klingt vielleicht überheblich aber wir haben einen ganz besonderen Umgang miteinander.“ Er freut sich über die große Zugehörigkeit, die alle zu ihrer Arbeit verspüren. Die Mitarbeiter*innen bleiben in der Regel sehr lange ihrer Stelle treu und auch die Wohngruppen sollen keine Durchgangseinrichtung sein. „Eine Willkommenskultur und die Wertschätzung zu einander ist und wichtig“, sagt Weiland. Neben den sieben Wohngruppen gehören zum Canisius Haus auch die ambulanten Hilfen. In der „Kontaktstelle“, innerstädtische Räumlichkeiten, treffen sich Betreuer mit ihren Schützlingen. Oft sind das Jungen und Mädchen, die aus dem betreuten Jugendwohnen kommen, einem Übergang von der Wohngruppe in die Selbstständigkeit.

Im Rahmen der Familienhilfen besuchen Familienhelfer die Familien in ihrem heimischen Umfeld, unterstützen bei Erziehungsfragen und Fragen der alltäglichen Lebensführung.

Ein weiterer Arm des Canisius Hauses sind die Schulsozialarbeiter, die in rund 14 Projekten in zwölf Schulen im Landkreis Ansprechpartner vor Ort sind.

Ein spezielles Angebot für geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene gibt es mit „Mondschein- der Kulturladen“. In dem Ort Weiler in den Bergen hat Canisius eine ehemalige Wirtschaft angemietet und dort ein betreutes Jugendwohnen für Geflohene eingerichtet. Im Erdgeschoss findet sich der Kulturladen. Hier kommen Einheimische, ehrenamtlich Engagierte in der Flüchtlingshilfe und junge Geflohen zusammen. Der eine erklärt dem anderen wie ein Smartphone funktioniert, der andere bekommt Mathenachhilfe.

Jeder hat seine Stärke, wenn sie auch verborgen ist. „Einen Menschen zu erziehen heißt, ihm zu sich selbst zu verhelfen“, zitiert Martin Weiland den österreichischen Schriftsteller Peter Altenberg.

 

Kontakt

Canisius Haus
Schwäbisch Gmünd
Tel. : 07171 1808-48
Fax.: 07171 1808-9848
E-Mail: canisius-haus@franzvonassisi.de

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