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Canisius Haus

Wertschätzende Wegbegleiter

Dienstagnachmittag, 17 Uhr in der Wohngruppe Fra Leo. Anne sitzt am großen Küchentisch und macht Hausaufgaben, Tim liegt auf seinem Bett und spielt am Smartphone, Marcel packt seine Sporttasche weil er gleich zum Fußballtraining geht, Leonie kommt zur Tür herein und wirft den Schulranzen in die Ecke. Ein Betreuer kocht einen Tee, eine andere hilft bei den Hausaufgaben. Der ganz normale Familientrubel, nur dass es keine Familie ist. Die Kinder und Jugendlichen kommen aus schwierigen Verhältnissen. Sie haben manchmal auch Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen hinter sich oder sind von nahe stehenden Menschen enttäuscht worden. Bindungen und Beziehungen sind schwierig geworden.

Sie haben einen sicheren Ort für sich gefunden, leben vielleicht nur eins, öfter aber mehrere Jahre in einer der Wohngruppen des Canisius Hauses. Auf dem Sonnenhügel, einem begehrten Wohnviertel in Schwäbisch Gmünd, stehen vier Häuser in einer parkähnlichen Grünanlage. Ein Haus für jede Wohngruppe, die aus sechs bis acht jugendlichen Mitbewohnern besteht. An ein Heim erinnert hier nichts. Ein Flur mit vielen Schuhpaaren, ein großer Wohn- und Essraum, ein Tisch an dem alle Platz haben und ein Zimmer für jeden einzelnen. Vor dem Haus sind ein Garten und eine Terrasse.

„Hier herrscht eine ganz offene und herzliche Atmosphäre“, beschreibt es Manuela Bittner, „sowohl innerhalb der Kinder- und Jugendgruppen, als auch im Team.“ Sie ist seit April 2020 Leiterin des Canisius Hauses. Die Mitarbeiter sehen es so, dass sie die Kinder und Jugendlichen ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten dürfen, Psychologen und Sozialtherapeuten fangen auf, was in Schieflage geraten ist. Gemeinsam wollen sie individuelle Stärken entdecken und Lösungswege.

Die Stärken finden sich zum Beispiel im Sport, in der Musik. Die Begleiter fördern die Interessen, helfen den Schützlingen einen Verein zu finden. Die Kinder machen ihre Erfahrungen in der Reit-, Musik, und Kunsttherapie und probieren sich beim Sommerfest im Theaterspielen oder bei Tanzvorführungen aus.

Das Canisius Haus will keine Glaskuppe über sich stülpen sondern sich mit dem Draußen vermischen. Das schafft man mit Veranstaltungen wie dem Sommerfest, Veranstaltungen in Kooperation mit der Stadt und dem Viertel, sowie durch gegenseitigen Austausch. „Gerade komme ich von der Einweihung einer Hütte, die Betreuer und Kinder zusammen auf dem Sonnenhof gebaut haben“, erzählt Manuela Bittner. Es wurde ein Grill aufgebaut und fröhlich gefeiert.

Über die regelmäßige „Sonnenpost“ im Briefkasten der Einrichtung können die Kinder- und Jugendlichen Wünsche und Ideen an die Leitung verfassen und so an der Gestaltung ihrer Umgebung mitwirken. Neben Verbesserungen von bestehenden Angeboten wie z.B. dem Fußballplatz, haben die jungen Menschen auch viele Gedanken bezüglich Nachhaltigkeit. So regt jemand an, man solle doch Regentonnen aufstellen um Wasser zu sparen.

Die Mitarbeiter bleiben in der Regel sehr lange ihrer Stelle treu „Ich war kürzlich erst auf einer Jubiläumsfeier der Mitarbeiter, da wurden Angestellte für 40 Jahre im Dienst geehrt“, erzählt die Leiterin. Es ist schön diese Zugehörigkeit und Verbundenheit mit der Einrichtung zu erleben. Und ein stabiles Umfeld gibt auch den Kindern und Jugendlichen Ruhe und Stabilität.

Neben den sieben Wohngruppen gehören zum Canisius Haus auch die ambulanten Hilfen. In der „Kontaktstelle“, treffen sich Betreuer mit ihren Schützlingen. Oft sind das Jungen und Mädchen, die aus dem betreuten Jugendwohnen kommen, einem Übergang von der Wohngruppe in die Selbstständigkeit. 
Im Rahmen der Familienhilfe besuchen Familienhelfer die Familien in ihrem heimischen Umfeld, unterstützen bei Erziehungsfragen und Fragen der alltäglichen Lebensführung.

Ein weiterer Arm des Canisius-Hauses sind die Schulsozialarbeiter, die mittlerweile in rund 14 Schulen im Landkreis Ansprechpartner vor Ort sind. 

„Das ist ein großer Vorteil des Canisius Hauses, dass wir so vielschichtig sind“, findet Manuela Bittner. Kinder aus den Wohngruppen, die auf Schulen gehen, die durch unsere Schulsozialarbeiter betreut werden. Schulkinder, die durch Familienhelfer betreut werden. Kommunale Angebote, die allen zur Verfügung stehen. So haben viele Menschen den Blick auf die Schützlinge und neue Möglichkeiten tun sich innerhalb dieses Netzwerkes auf.

„Geht nicht gibt’s nicht“, ist ein Lieblingsspruch von Manuela Bittner. Probleme lösen mit Optimismus – ein ideales Motto für die Arbeit mit jungen Menschen, die Schweres hinter sich haben.

 

Kontakt

Canisius Haus
Schwäbisch Gmünd
Tel. : 07171 1808-48
Fax.: 07171 1808-49
E-Mail: canisius-haus@franzvonassisi.de

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